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Bernarda Albas Haus

Warum Warum

Allerhand! Wechseljahre-plus

Claire Waldoff

 

1009-10 Alba Bild.jpg (100093 Byte) BERNARDA ALBAS HAUS  
Nach ihrer erfolgreichen Premiere "Hexenjagd" von Arthur Miller im März/April 2009 im Internationalen Theater, präsentiert das Regina Busch Ensemble nun ihre neue Produktion BERNARDA ALBAS HAUS  (La Casa de Bernarda Alba) von Federico García Lorca.
Andalusien in den dreißiger Jahren. Bernarda Alba, gerade verwitwet, befiehlt in ihrem Haus acht Jahre Trauer. Unter ihrem Regime leben die fünf ledigen Töchter, in dem Anwesen vor den Blicken der Außenwelt weggesperrt, denn Bernarda will ihre Töchter auf keinen Fall unter Stand verheiraten. Nur der Ältesten Tochter Angustias ist eine Beziehung zu einem Mann erlaubt, Pepe el Romano, schönster Mann im Ort. Aber auch ihre jüngste Tochter Adela hat sich heimlich in ihn verliebt und eine der mittleren Töchter Martirio verzehrt sich ebenfalls nach ihm. Kurz vor der Hochzeit herrscht zwischen Angustias und Pepe eine trügerische Ruhe. Und dann wird Adela auf ihrem heimlichen Weg zum nächtlichen Stelldichein mit Pepe ausgerechnet von ihrer Schwester Martirio ertappt. Die Mutter vertreibt den Liebhaber mit einem Gewehrschuss. Im Glauben, ihr Geliebter sei tot, erhängt sich Adela. Bernarda ringt um Fassung. Sie beschließt bedingungslos nach Außen die Fassade zu wahren.
"Bernarda Albas Haus" ist ein Drama in drei Akten über die Rolle der Frau und deren Unterdrückung im Spanien der 1930er Jahre. Es wurde erst zwei Monate vor Lorcas Tod im Jahre 1936 fertiggestellt. In seinem Stück bezieht Lorca das Zeitgeschehen mit ein, zeigt unter dem Eindruck des spanischen Faschismus an Bernarda Albas Haus die Mechanismen eines funktionierenden Kontroll- und Bespitzelungssystems. Die sexuelle Repression im katholischen Glauben, die im Hause der Witwe Bernarda mit dem Wegsperren und der tief verwurzelten Selbstbeschränkung der Frauen herrscht, führt bei den Töchtern zu maßloser Gier nach Leben und Liebe. Auch Lorca selbst identifizierte sich mit der Rolle der Frau, denn ihm war es faktisch unmöglich, seine Homosexualität in der patriarchalisch geprägten und moralisch äußerst strengen katholischen Gesellschaftsordnung des Spaniens der 30er Jahre zu leben, auch er gehörte zu den Unterdrückten. 

„Der archaischen Kraft und Gewalt des Kollektivs steht der Freiheitsdrang des Individuums entgegen, Maskierung und Demaskierung prägen das Mit- und Gegeneinander seiner Figuren, ihr Anspruch auf Glück und dessen Verweigerung lässt sie aufbegehren, an den Normen einer sie unterjochenden Gesellschaft zerbrechen oder resignieren.
Die Emotionalität seiner Stoffe, die Musikalität seiner Sprache, die Vielseitigkeit seiner Formen und die Suggestionskraft seiner Stimmungen begründen Lorcas internationalen Ruhm. Sie haben ihn zugleich zu einem der am meisten vertonten Dramatiker des 20. Jahrhunderts gemacht.“
(Felix Bloch Erben Verlag für Bühne, Film und Funk)

Es wirken mit:

Bernarda Alba                                Angelika Löfflat
María Josefa, Bernardas Mutter       Karin Flaake
Angustias                                       Gabriele Giersiepen   
Magdalena                                     Kristin Erlei     
Amelia                                           Güzel Varisli    
Martirio                                           Miriam Kapinus
Adela                                             Stephanie Levy
La Poncia, Magd                            Hannah Gudrich              
Magd                                             Elisabeth Harling

Regie                                             Regina Busch
Ausstattung                                     Britta Yook         
Licht                                               Jan Hartmann
Aufführungsrechte beim Verlag Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG, Deutsch von Enrique Beck
[Fr 10. -  So 12.09.2010, 20h00; 15/17; red, 12/14 €; 2h00 mit Pause]

1009-30 Warum Miriam.JPG (8319 Byte) PETER BROOK - WARUM WARUM  
Eine Theaterrecherche von Peter Brook in Co-Produktion zwischen Schauspielhaus Zürich (Schweiz) / Teatro Garibaldi di Palermo / Bart Production mit Miriam Goldschmidt (Schauspiel) und Francesco Agnello (Musik); in deutscher Sprache. 
Regie: Peter Brook, Musik: Francesco Agnello , Beleuchtung: Philippe Vialatte .

Zu Peter Brook:        Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts gehört Peter Brook (geb. 1925) zu den maßgeblichen Theaterschaffenden der Welt. Mit seinen legendären Shakespeare-Inszenierungen hat er die Sicht auf diesen Dramatiker und die Weise, wie er gespielt wird, grundlegend verändert. 1968 verhalf er mit seinem Buch „Der leere Raum” der Vision eines unmittelbaren, lebendigen, sich ständig erneuernden Theaters zu einem Manifest und legte den Grundstein für eine Entwicklung, die bis heute wirkt. Unvergesslich sind viele seiner freien Projekte, wie zum Beispiel die „Mahabarata”, „The Ik”, „The Man Who”. Sein neuestes Projekt „Warum Warum” gehört in diese Reihe von Recherchearbeiten.

Zum Stück:              Zusammen mit der Schauspielerin Miriam Goldschmidt erforscht Brook den kreativen Prozess des Theaters. Ausgangspunkt sind Texte von einigen der wichtigsten Begründer der Theatermoderne: Meyerhold, Craig, Dullin, Artaud, u. a. Aber auch von Zeami Motokiyo, einem Meister des japanischen Nō-Theaters, wird zu hören sein … Und natürlich von Shakespeare, auf den Brook immer wieder zurückkommt.
Der Stücktext (den der Regisseur mit seiner Ko-Autorin Marie-Hélène Estienne vorbereitet hat) ist eine Montage von Texten jener Autoren und Künstler. Brook zeigt den künstlerischen Prozess als einen Weg des ständigen, dynamischen Zweifelns und Fragens im Austausch zwischen Schauspieler und Publikum: Warum? Warum? Peter Brook will weder demonstrieren, noch Theorien ausbreiten. Sein Ziel ist es, auf- und wachzurufen: „Heraufberufen was da ist”, sagt er. „Das Wesentliche besteht darin, heraufzuberufen, was lebendig ist.” Miriam Goldschmidt erzählt, rezitiert, spielt im minimalen Raum von Peter Brooks einfach ausgestatteter Bühne, in dem alles seine Bedeutung, aber auch seine Leichtigkeit hat. 
Die Schauspielerin hat in vielen Stücken von Peter Brook mitgespielt, zuletzt in „Glückliche Tage” von Beckett (Kaserne Basel, 2003. Zu sehen auch während SETT 2004). Begleitet wird sie vom Musiker Francesco Agnello, der sie auf seinem Hang, einem geheimnisvollen Instrument aus dem Kanton Bern, begleiten wird. „Warum Warum” ist Peter Brooks zweite deutschsprachige Inszenierung.

Aus der Presse:         „Es handelt sich nicht um ein Stück. Es geht nur um die Urfrage überhaupt: ‘Warum’. Der Abend heißt denn auch doppel- schlicht ‘Warum Warum’. Warum er ‘Warum Warum’ heißt, wird an dessen Ende erklärt, als erzählt wird, dass Gott am siebten Tage seiner Schöpfung, als er ruhte und die Welt sich anfing zu langweilen, sprach: ‘Und es werde Theater.’ Weil aber alle auf der Welt die Wichtigsten im Theater sein wollten, wandten sie sich dieserhalb an Gott, der die Antwort in einem Wort auf einen kleinen Zettel schrieb, den Zettel in einer Büchse verschloss und diese auf die Erde warf, wo sie sofort verlorenging, nach Jahrtausenden aber von einem jungen Regisseur, der wahrscheinlich Peter Brook heißt, in einer Kiste auf dem Dachboden wiedergefunden wurde, der den Zettel gierig las, auf dem nur dies eine Theaterlösungswort Gottes stand: ‘Warum’ … Gott aber fragt sofort zurück: ‘Warum, o Mensch, Theater?’ Wahrscheinlich ist das auch der Urgrund der ewigen Theaterkrise, dass der Theatermensch die Antwort nie richtig kennt und sich die meisten mit einem einfachen ‘Darum’ begnügen.
Nicht so Peter Brook, der dreiundachtzigjährige Theaterversucher, der nie aufhört, nach den Wurzeln seiner Kunst zu forschen: in der Wahrheit der Gesten, in der Abwehr der Lügen, im Unmittelbaren. Sein Theaterleben ist eine einzige Suche nach der Antwort auf die ‘Warum’-Gottes- theaterfrage. Er ist nie am Ende, weniger Regisseur als Rechercheur. ‘Warum Warum’ ist sozusagen seine Recherche- Liturgie als vorläufiges Vermächtnis … Und was jetzt in Zürich in sechzig Minuten herrlichem Gottesdienst zu sehen ist, stellt sozusagen eine Recherchegeisterbe- schwörung aller dieser Mauerbruchkunstversucher dar.
Vorgetragen, zelebriert, beraunt und zauberisch mit Sprüchen überzogen von einer dunkelfarbigen Schamanin, einer Hexe, einer grotesk- heiligen Priesterin in weiten, grauen Hosen unterm großen, grellroten, gegürteten Schal, den sie wie einen Mantel trägt, ein riesiges Amulett um den Hals, auf dem Kopf einen zerfransten Turban.
Die Augen kugelnd, glühend, den breiten Mund derart mahlend geöffnet, als könne sie mehr als vier Dutzend Theatertheorien oder Warum-Fragen verdauen … Mehr! Mehr davon! Und alle theoretischen Schriftgottesdienste, so schön sie sind, können uns gestohlen bleiben.” (Gerhard Stadelmaier, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

Beglückend:            Wo immer sie auf die Bühne schwebt, leicht wie eine Feder, erstirbt das Gemurmel im Publikum schlagartig… Man hätte eine Stecknadel fallen hören, als die Schauspielerin Miriam Goldschmidt leise ihre ersten Worte zelebriert…
Peter Brook, einmal mehr der Meister subtiler Bühnentöne, hat diese wunderbar leichtfüßige ‘Theaterrecherche’ unter dem Titel ‘Warum Warum’ konzipiert und inszeniert…
Nachtlos lässt Regisseur Peter Brook Texte von Artaud über Meyerhold bis hin zu Shakespeare ineinanderfließen. Als philosophisch-ironische Miniaturen darüber, warum Theater ein Muss ist: Weil es das Potenzial hat, Menschen zu beglücken. Weil es Aufführungen wie diese ermöglicht und Schauspieler mit dem komödiantischen Format einer Miriam Goldschmidt hervorbringt…”
Horst Lohr | Stuttgarter Nachrichten | 24.11.2008

Brilliantes Theatersolo :                „Das brilliante Theatersolo, welches jetzt in der Stuttgarter Tri-Bühne beim europäischen Theaterfestival SETT zu sehen war, ist gewiss alles andere als ein Crash-Kurs in Theatertheorie…
Dagegen stemmt sich die Schauspielerin Miriam Goldschmidt. Im Mittelpunkt steht für sie immer das Spiel. Die starke Frau, deren Bühnenpräsenz und entschlossener Blick etwas von einer Magierin haben, zeichnet mit Gesten und Blicken, was ihr das Spiel bedeutet… Das Instrumentarium der Schauspielerin, die schon in vielen großen Produktionen mit Brook zusammengearbeitet hat, ist unermesslich. Auf seiner ‘Wundertrommel’, einem metallenen Klangkörper aus dem Kanton Bern, begleitet Francesco Agnello die Künstlerin…
‘Warum Warum’ bleibt als Text im Frühstadium der Montage stecken. Das eröffnet der Schauspielerin aber die Chance, sich ihren eigenen Weg durch das Labyrinth der Kopfgeburten zu bahnen. Darin liegt die Stärke der Produktion.”
Elisabeth Maier | Esslinger Zeitung | 25.11.2008

Spielmaterial:             „Der Charakter der Montage, die von Autor zu Autor und von Thema zu Thema springt, erfordert eine Verwandlungsschauspielerin, nicht den Entwurf einer Figur. Andeutungen machen Miriam Goldschmidt zu einer Marionette, zu einer Diva, zu Fritz Kortners Shylock, zu einem balinesischen Schauspieler oder zum geblendeten Grafen von Gloucester, und sie mutiert, wenn’s denn sein muss, auch zu Gott, der am siebten Tag der Schöpfung das Theater erfindet.
Wer sich für Theatertheorie interessiert, wird die zitierten Texte schon in ihrem Zusammenhang lesen müssen. Für Peter Brook und Miriam Gold sind sie Spielmaterial…”
Thomas Rothschild | Stuttgarter Zeitung | 24.11.2008

Zwischen Divenherrlichkeit und Clownshadern:            „Eine leere schwarze Bühne, zwei unterschiedlich hohe schwarze Quader um sich zu setzen. Sonst nichts. Dann betreten eine Schauspielerin und ein Musiker die Bühne und bringen mit ihrer Kunst im Nu die ganze Welt zum Erscheinen…
Eine unaufwendig kleine Recherche, in der die großen und kleinen Gefühle - und wie man sie auf dem Theater herstellt - ihre revueartigen Auftritte haben: Verkörpert von nur einer Schauspielerin, der alle Register ihre Könnens zeigenden Miriam Goldschmidt…
Schwarzgewandet mit einem roten Schal, Leben und Tod in einem, erkundet Goldschmidt nun zwischen Divenherrlichkeit und Clownshadern das große menschliche Drama des Werdens und Vergehens.
Ein einfacher Stuhl wird auf die Bühne gestoßen und wird zum Thron der letzten Fragen: ‘Wer bin ich? Wer war ich? Warum lebe ich?’ Und ohne Antwort bleibend wird dem gebannten Zuschauer ahnend klarer: Allein so zu fragen ist das ganze Schauspiel, - vielleicht auch schon die ganze Antwort…”
Thomas Milz | Reutlinger Generalanzeiger | 26.11.2008
[Do 30.09. und Fr 01.10.2010, 20h00; 20/25; red. 17/22 €]

Glasperlenspiel Bild.jpg (241682 Byte) DAS GLASPERLENSPIEL An diesem großen Roman - der Summe seines Denkens - arbeitete Hermann Hesse von 1930 bis 1942.  Mit dem Werdegang seines Protagonisten Josef Knecht, der als Glasperlenspielmeister an die Spitze des klosterhaften Gelehrtenstaates Kastalien gelangt, schuf Hesse einen Gegenentwurf zur Unkultur des Dritten Reichs. Erst nach dem Krieg entfaltete es in Deutschland und weltweit eine bedeutende Wirkung. Kerngedanke ist der Zusammenklang aller Zweige von Kunst und Wissenschaft in einer von musikalischen Regeln geprägten Einheit. Da das Spiel nicht elitärer Selbstzweck werden darf, strebt Josef Knecht zum Schluss wieder heraus in den Dienst der Welt. Zu Josef Knecht, dessen Name kontrastiert zu Goethes Wilhelm Meister, heißt es: ,,Wir sehen sein Leben, soweit es bekannt ist, in klarer Stufenfolge aufgebaut, von seiner Aufnahme in die Eliteschulen Kastaliens, von seiner Erziehung, seinen Studien, seinem Aufstieg zum Glasperlenspielmeister, von seinem Ausscheiden aus seinem Amt, seiner Rückkehr in die „normale“ Welt bis zu seinem mysteriösen Tod.  „Das Glasperlenspiel ist ein Spiel mit sämtlichen Inhalten und Werten unserer Kultur“, in dem die Idee und der Traum, ,,die lebendige Schönheit des Geistigen und der Kunst mit der magischen Formulierkraft der exakten Disziplinen zu vereinigen“, verwirklicht worden ist, „eine symbolhafte Form des Suchens nach dem Vollkommenen.“
Der Schauspieler Moritz Stoepel hat für die szenisch skizzierte Aufführung des „Glasperlenspiels“ eine eigene Bearbeitung des Romans erstellt. Umrahmt von Klängen verschiedener Instrumente und Gedichten des jungen Josef Knecht, erzählt er vom kastalischen Leben und beschreibt den Lebensweg und die Welt des Ludi Magister Josephus des Dritten. 
[So 03.10.2010,19h00; 19/17, 17/15 €;
www.moritzstoepel.de]

ALLERHAND! WECHSELJAHRE - plus Christine Ketzer und Carola von Klass, zwei erfahrene Kabarettistinnen, halten mit witzig-frechen und nachdenklich-komischen Szenen dem Zeitgeist den Spiegel vor. Lassen Sie sich überraschen. Das Wiesbadener Tagblatt schreibt: "... Da sie beide selbst der Zielgruppe angehören, die sie ansprechen, gab es hier nie bösartiges Von-oben-herab-Kabarett, sondern die "klimakterische Selbsthilfegruppe" konnte die Lachtherapie gemeinsam zum Besten nutzen. Und auch die Herren lachten mit, denn ihre "Wechsel-Jahre", obschon etwas anders in der Bedeutung, wurden hier ebenfalls nicht ausgespart. Ob eine "Professorin für Pseudoklimakteriologie" erschien, die die männlichen Seitensprünge sprachlich mit der "Fortpflanzung" erklärte ("Er ist fort, um zu pflanzen"), ob eine blasierte Touristin auf die Bühne trat, die schon überall war und nun dem Mangel an Reisezielen nachdenklich gegenübersteht, oder gar eine Sextherapeutin, die merkwürdige und kaum machbare Tipps an ein Muttchen verteilt, das zuviel Cosmopolitan gelesen hatte - alles aufs pointierteste überspitzt, aber nie fies und gemein. ....
Das Duo jonglierte gekonnt und gut eingespielt die komödiantischen Bälle, sah mit jeder Perücke klasse aus und schaffte es, ein sonst immer recht ernsthaft behandeltes Thema mit der nötigen Leichtigkeit des Seins zu versehen - mit Humor genommen kommt man eben auch durch solche Umbruchsphasen gut hindurch. ..." [Fr 29.10., 20h00; 15/17; 12/14 €; www.allerhand-kabarett.de ]

Sigrid Grajek ist Claire Waldoff - Pressefoto1 - Foto Marcus Lieberenz.jpg (515793 Byte)  CLAIRE WALDOFF - ABEND "Ich will aber gerade vom Leben singen ..."
1957 starb im Alter von 72 Jahren in Bad Reichenhall eine Frau namens Claire Waldoff. Eigentlich hieß sie Klara Wortmann. Sie war am 1884 in Gelsenkirchen als Tochter eines ehemaligen Bergmanns und Schankwirts geboren. Sie hatte Ärztin werden wollen… Doch es kam alles anders. Sie entdeckte ihre Liebe zum Theater, änderte ihren Namen und landete beim Kabarett in Berlin - und dort schrieb sie Geschichte! Von 1907 bis 1935 war sie der Star auf den Brettern der großen Kabaretts und Varietés, ihre Lieder waren Gassenhauer und wurden auf der Straße gesungen: „Hermann heeßt er!“, „Wer schmeißt denn da mit Lehm“, „Raus mit den Männern aus dem Reichstag“ u. a.
Claire Waldoff hat wie keine andere den Ton getroffen, der die Menschen berührte, weil sie eben „gerade vom Leben singen wollte“ - von den Sorgen und Nöten, von den Freuden und Verwicklungen, die das Leben so mit sich bringt. Allein in Berlin sind heute noch zwei Straßen nach der Künstlerin benannt und ihre Bronzebüste steht vor dem Friedrichstadtpalast. Und sie war so ganz anders als die Chansonetten, Diseusen und Frauen ihrer Generation. Noch bevor das Zeitalter der „neuen Frau“ ausgerufen wurde, nahm sie sich alle Freiheiten, die ihr in den Sinn kamen. Sie rauchte Pfeife und Zigarre, liebte Nordhäuser Korn, fluchte wie ein Müllkutscher und ihre Stimme war das, was man eine „echte Röhre“ nennt. Heinrich Zille nannte sie Karl („ein Kerl wie Samt und Seide“) und zog mit ihr durch die berüchtigten Kneipen im Norden und Osten von Berlin. Ihre große Liebe war Olly von Roeder, mit der sie 40 Jahre lang Tisch und Bett teilte. Auf der Bühne stand sie mit Schlips und Kragen, was ihr Ärger mit dem Zensor einbrachte, der die Auffassung vertrat, dass Frauen im Herrenanzug nach 23 Uhr wegen Unsittlichkeit nichts mehr auf der Bühne zu suchen hätten. Weitaus unangenehmer waren allerdings die folgenden Jahre und ihre Auseinandersetzungen mit den faschistischen Machthabern…
Sigrid Grajek
(auch als Comedy-Figur „Coco Lorès“ bekannt) sieht in Claire Waldoff die „Urmutter aller Kabarettistinnen“. Entsprechend leidenschaftlich bringt die Schauspielerin die Lieder und das Leben der bemerkenswerten Diseuse auf die Bühne, indem sie in die Figur Claire Waldoff schlüpft, um diese singen, spielen und erzählen zu lassen, wie ihr der Schnabel gewachsen ist: „Zum Brüllen komisch, zum Heulen schön und zum Mitsingen...“, schreibt die Berliner Siegessäule im März 2007.
[Sa 30.10.2010, 20h00; 15/18; red. 12/15 € Höre und sehe! Hear and listen!]

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