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Geschichte


1987
wird der gemeinnützige Verein „Theater in Bornheim e.V.“ (TIB) gegründet. Unter der Leitung von Werner Andreas wird eine Studiobühne mit etwa 50 Sitzplätzen und vorwiegend deutschsprachigen Theaterproduktionen bespielt. Ab 1990 fördert die Stadt Frankfurt das Theater institutionell. Im Laufe der Zeit kommen neben der Deutschen Bühne das English Pocket Theater (1992), das Théâtre Français (1993) und das Russkij Teatr (1994), das Teatro Italiano (1996) und das Teatr Polski (10.1997) als regelmäßig bespielte Bühnen hinzu. Ab Ende 1994 tritt das Theater als „International Theatre Frankfurt“ und ab 1996 als „Internationales Theater Frankfurt“ auf. Neben den Eigenproduktionen des Theaters, die zunächst auch an anderen Orten in Hessen gezeigt werden, ergänzen später zunehmend auch Gastspiele den Spielplan.

Ende 1995 wird der Förderverein „Gesellschaft der Freunde Internationales Theater Frankfurt e.V.“ mit dem Zweck gegründet, das TIB/Internationales Theater in seiner fremdsprachigen Theaterarbeit zu unterstützen. Die Mitglieder des Vereins unterstützen das Theater in vielfältiger Weise, ideell wie auch finanziell. Der Vereinsvorsitzende, Jan Mayer, hilft Werner Andreas beim Liquiditätsmanagement des Theaters und führt ab Mitte 1997 ein modernes Rechnungswesen ein.

Im September 1996 muss das TIB seinen Standort in Bornheim verlassen und zieht um in die Zoo-Passage, wo eine neue Spielstätte errichtet wird. Bis der Theatersaal fertig ist, setzt es seinen Spielbetrieb zunächst in den Räumen des heutigen Theaterbüros fort, später im Foyer des neuen Theaters.

1997 wird der Trägerverein des TIB in „Internationales Theater Frankfurt e.V.“ (ITF) umbenannt. Im Juni 1997 eröffnet Werner Andreas offiziell den neuen Theatersaal mit nunmehr rd. 160 Plätzen. Die Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt mahnt, keine neuen regelmäßigen Bühnen einzurichten und bestätigt ihren bisherigen Standpunkt, die institutionelle Förderung nicht aufzustocken. Ab Oktober konnten die Einnahmen nicht mit dem Kostenanstieg schritt halten, der durch die Größe der Spielstätte bedingt war. Dieser Entwicklung versucht Werner Andreas vergeblich durch die Eigenproduktion von drei Musicals entgegenzuwirken. Wegen der akuten Schwierigkeiten des Theaters, einen geregelten Spielbetrieb aufrechtzuerhalten und seinen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen, stellt das Kulturamt Frankfurt die institutionelle Förderung des Theaters zum Jahresende ein.

1998 wird das Theater von einem neuen gemeinnützigen Trägerverein mit gleichem Namen fortgeführt, jetzt aber nur noch als Gastspielbühne.
Dies ist das Ergebnis einer Übereinkunft zwischen Mitgliedern des Fördervereins und dem Kulturamt Frankfurt mit dem Ziel, im Rahmen einer Public-Private-Partnership Kulturen aus aller Welt in den verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen in einem abwechslungsreichen Programm und unter professionellen Rahmenbedingungen authentisch für die Bevölkerung erlebbar zu machen. Für die im Rhein-Main-Gebiet lebenden Bürgern mit ausländischer Herkunft möchte das Theater kulturelle Heimat sein und für alle anderen interessierten Menschen gleichzeitig als kulturelles Schaufenster dienen und somit einen Beitrag zur kulturellen Wertschätzung und zur Toleranz gegenüber dem Fremden leisten. Gleichzeitig will das Theater lebend Fremdsprachen vermitteln.
Das Kulturamt Frankfurt ist bereit, als Anschubfinanzierung Sondermittel in Höhe von 50.000 € bereitzustellen und auch weiterhin das Theater institutionell zu unterstützen, sofern Werner Andreas keine Leitungsfunktion mehr inne hat und die Höhe der städtischen Mittel unverändert bleibt. Zwei private Sponsorengruppen (Elephants Club Frankfurt e.V., Investmentbanken um Freiherr von Schröder) stellen ihrerseits je 25.000 € für 1998 bereit, während Jan Mayer bereit ist, die Wahl zum Alleinvorstand des Trägervereins anzunehmen und damit die ehrenamtliche Leitung des Internationalen Theaters Frankfurt zu übernehmen. Sein Arbeitgeber, die Kreditanstalt für Wiederaufbau, stimmt dieser Nebenbeschäftigung zu. Mitglieder des geschlossenen Trägervereins sind Menschen, die Jan Mayer in einem für das Theater wichtigen Unternehmensbereich (Kultur- und Stadtpolitik, Werbung, Finanzen, Recht, Personal, Stadtgesellschaft und Programmgestaltung) mit Rat unterstützen; hierzu gehören neben Jan Mayer auch die damalige Kulturdezernentin und Werner Andreas.

Das Theater wird personell und organisatorisch umstrukturiert. Der Musical-Bereich wird wegen mangelnder Nachfrage eingestellt. Aufgrund der guten Akustik des Theatersaals werden in den Spielplan Klassik- und Jazzkonzerte aufgenommen. Werner Andreas scheidet im gegenseitigen Einvernehmen aus, bleibt aber weiterhin Mitglied des Trägervereins.

1999 folgt ein hartnäckiger Kampf ums Überleben, der eingestellt werden kann, nachdem dank der Intervention des Konsularischen Corps die kulturpolitischen Sprecher der Parteien den Kulturdezernent der Stadt Frankfurt auffordern, das Internationale Theater ausreichend mit Mitteln auszustatten. Hierbei wird das Theater durch den Förderverein, Mitglieder des Consular Corps von Hessen, Kulturvereinen und dem Vermieter des Theaters wie auch durch das Publikum unterstützt. Ab Mitte 1999 bewirbt das Theater sein Programm auch im Internet mit einer attraktiven und zunehmend gut besuchten Homepage.

Ab 2000 wird das Theater schrittweise zu einem modernen Kulturzentrum ausgebaut, um ohne große Umbaumaßnahmen alle möglichen künstlerischen Auftrittsformen vorführen zu können. Es werden angeschafft: ein Konzertflügel (2001), ein roter Portalvorhang (2003), neue bequeme Theaterstühle und eine A3-Drucker (2004), ein leistungsstarkes 48-Kanal Lichtmischpult mit den erforderlichen Dimmern und einem professioneller Beamer (2006). 2008 erhält das Theater eine Motorleinwand und ein modernes Ticketing-System; außerdem wird das Foyer des Theaters farblich neugestaltet. 2011 wird der A3-Drucker durch einen A3-Farbdrucker ersetzt. 2012 wird das Foyer mit passenden Stühlen ausgestattet und das Theater erhält einen modernen Internetauftritt.

Es gelingt dem Theater, trotz publikumsfreundlicher Eintrittspreise schwarze Zahlen in Folge zu schreiben und damit schrittweise ein Vereinsvermögen aufzubauen, das das Theater vor unvorhergesehenen Risiken schützt. Dies ist möglich dank der Grundfinanzierung der Stadt Frankfurt und einer am regionalen Kulturmarkt orientierten, auf Kosteneffizienz achtenden Unternehmenspolitik des ehrenamtlichen Theaterleiters, dank eines kleinen, aber motivierten Mitarbeiterteams sowie der Bereitschaft der Künstler und des Theaterleiters, auf eine marktübliche Honorierung ihrer Leistungen zu verzichten.
Jan Mayer ist auch maßgeblich daran beteiligt, dass ab Herbst 2005 auf einem Gemeinschaftsplakat der Frankfurter Theaterallianz für das monatliche Kulturangebot ihrer Mitglieder in den Frankfurter U-Bahnhöfen und an zentralen Stellen geworben wird; im gleichen Jahr wird er zum geschäftsführenden Vorstand dieses Dachverbandes gewählt, in dem sich alle 25 Bühnen Frankfurts zusammengeschlossen hatten.
2006 folgt ein eigenes mehrfarbiges A1-Plakat, auf dem das Internationale Theater seinen Monatsspielplan in den Frankfurter U-Bahnhöfen veröffentlicht. Ab Oktober 2008 stellt das Theater den Kartenverkauf auf ein modernes Online-Ticketing-System um - als ideale Ergänzung zu seiner Internetpräsenz. Anfang 2011 erleichtert eine moderne Telefonanlage den Kontakt zu den Kunden des Internationalen Theaters. Im gleichen Jahr wird das Theater Mitglied bei Facebook und modernisiert 2012 seine Internetpräsenz.

2012 empfiehlt ein vom Kulturamt in Auftrag gegebenes und auch abgenommenes Gutachten, die städtische finanzielle Unterstützung für das Theater zu beenden. Begründet wird dies damit, dass das Programm ästhetisch fragwürdig und das Theater strukturell schlecht ausgestattet sei. Die Finanzierung des Theaters scheint nur noch bis Ende 2013 gesichert. Auf die schriftliche Bitte hin, zu bestätigen, dass das Kulturamt nicht beabsichtige, die finanzielle Unterstützung einzustellen, antwortet der Kulturdezernent nicht. Das Theater ruft daher die Bevölkerung auf, in einer Petition die Stadt aufzufordern, das Theater zu erhalten. Das Ergebnis der Petition ist überwältigend. Mehr als 4.000 Bürger setzen sich für den Fortbestand des Theaters ein. Im Zuge der Petition ist eine Marktbefragung möglich, die zu folgenden 3 zentralen Ergebnissen führt: Die Innen- und die Aussensicht des Theaters decken sich, die Bürger schätzen ein kulturelles Angebot, das über die deutsche und englisch Kultur hinausgeht, und sie schätzen die bezahlbaren Eintrittspreise. Das Kulturamt schlägt dem Magistrat die Fortführung der Förderung vor!

2014 kündigt der neue Vermieter den langfrisitgen Mietvertrag des Theaters zum 30.09.2014. Damit steht das Theater erneut vor dem Aus. Es geht gegen die Kündigung auf dem Rechtsweg vor. Gleichzeitg intervenieren FAZ, Frankfurter Rundschau und Neue Presse Frankfurt beim Vermieter, der sich bereit erklärt, dass das Theater weiterhin in der Zoo-Passage bleiben kann und nur einen ermäßigten Mietzins zu zahlen hat. Dennoch waren die Konditionen zunächst so, dass das Theater sie nicht hätte aufbringen können. Nach konstruktiven Gesprächen unterschreiben wir kurz vor Ablauf der Kündigungsfrist einen langfristigen Mietvertrag zu für uns bezahlbaren Konditionen. Dies ist ein großes Geschenk der Leyendecker-Gruppe an die Stadt Frankfurt und insbesondere an die Bevölkerung mit ausländischen Wurzeln.

Nun können wir weiterhin auf der Bühne des Internationalen Theaters Gastspiele aus aller Welt in der Heimatkultur der Künstler unter professionellen Rahmenbedingungen zeigen: Sprache, Gesang, Konzerte und Tanz sowie nonverbale Darstellungsformen, Film und Lesungen und gelegentlich begleitende Ausstellungen. Jährlich sind es 150 Vorstellungen mit 100 Gastspielen aus ca. 25 Kulturen. Mehr als 700 Darsteller und Musiker stehen jedes Jahr auf der Bühne; davon stammen knapp ein Drittel aus dem Ausland und der Rest aus ganz Deutschland, meist mit ausländischen Familienwurzeln. Durch den Auftritt von jährlich 150 – 200 Schülern trägt das Theater außerdem zur Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen bei. Die Gesamtkosten des Theaters werden zu etwa 30 % von der Stadt Frankfurt finanziert, 70 % muss das Theater selbst erwirtschaften. Knapp 50 % stammen aus den Erlösen der Geschäftstätigkeit des Theaters, der Rest sind Spenden, Einnahmen aus Vermietungen und aus dem Verzicht des Theaterleiters auf eine finanzielle Honorierung seines Arbeitseinsatzes.