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Pressemitteilung:

Internationales Theater sichert sich Zukunft in der Zoo-Passage
Langfristiger Mietvertrag zwischen Eigentümer und Theater ist unterzeichnet

Frankfurt, den 01.10.2014. Der Trägerverein des Internationalen Theaters Frankfurt und der neue Eigentümer der Zoo-Passage, die Leyendecker Gruppe, einigten sich im September diesen Jahres auf einen neuen Mietvertrag. Nach konstruktiven Gesprächen konnten beide Parteien eine Übereinkunft treffen. Der neue Mietvertrag hat eine Laufzeit von fünf Jahren und bietet dem Theater die Option auf weitere fünf Jahre. Der Mietpreis konnte kulturverträglich unter Hintanstellung der wirtschaftlichen Interessen des neuen Eigentümers ausverhandelt werden.

„Dies ist ein großes Glück für uns.“, freut sich Jan H. Mayer über den neuen Mietvertrag. „Mit der bevorstehenden Eröffnung der EZB und der weiter wachsenden Bedeutung der internationalen Kultur in Frankfurt wäre es ein falsches Signal gewesen, wir hätten gerade jetzt an diesem prosperierenden Standort unsere Pforten schließen müssen. N un können wir nach der Sommerpause wieder mit einem tollen Programm starten, dafür sind wir sehr dankbar.“

Die Leyendecker Gruppe hat das Objekt Ende 2013 übernommen und revitalisiert die Gewerbeflächen. Es gibt bereits zahlreiche Vermietungen der attraktiven Flächen. Mit dem neuen Mietvertrag hat das Theater die Möglichkeit erhalten, die nächsten 10 Jahre seinen Satzungszweck erfüllen zu können. Dieser ist: für die vielen Menschen internationaler Herkunft im Rhein-Main-Gebiet eine kulturelle Heimat zu sein und für die restliche Bevölkerung ein Tor zu den Kulturen dieser Welt. Dies zu erschwinglichen Eintrittspreisen.

Kontakt für Rückfragen:              Internationales Theater Frankfurt, Herr Jan H. Mayer
Theaterbüro:                                 Grüne Str. 11 (Zoo-Passage), 60316 Frankfurt/Main
Spielstätte:                                   Hanauer Landstr. 7 (Zoo-Passage), 60314 Frankfurt/Main'
Telefon:                                         069 68 608 235 / 0177 564 22 73
Email:                                           Jan.Mayer@Internationales-Theater.de
Web:                                             www.Internationales-Theater.de

 

Seit dem 21. Juli 2014 ist das Theaterbüro innerhalb der Zoo-Passage umgezogen, und zwar in die Grüne Str. 11.

 

Die Förderung des Internationalen Theaters durch die Stadt Frankfurt wurde bislang (2013 - 2015) ohne Unterbrechung fortgesetzt. Wir hoffen, dass dies im Rahmen des neuen Förderkonzepts der Stadt Frankfurt ebenfalls der Fall sein wird.

 

 Stellungnahme der Frankfurter Theaterallianz zum Abschlussbericht der Perspektivkommission

Pressemitteilung von: Frankfurter Theaterallianz e.V.

WIR SIND STOLZ AUF DAS, WAS WIR LEISTEN

In ihrer Jahresversammlung am 12. Juni 2012 weisen die Mitglieder der Frankfurter Theaterallianz den Abschlussbericht der Perspektivkommission als Evaluation der Freien Theaterszene in Frankfurt mit großer Mehrheit zurück, da er kein objektives Bild der Freien Theaterszene in Frankfurt widergibt. Die Gutachter haben viele Mängel festgestellt, ohne die Stärken daneben zu stellen und so ein ausgewogenes Bild zu zeichnen.

Im Jahre 2010 richteten alle, städtische wie auch freie Bühnen, gut 6.400 kulturelle Veranstaltungen aus und verkauften insgesamt knapp 2 Millionen Eintrittskarten. Dazu trugen die Freien Theater zu 75 % aller Veranstaltungen bei und verkauften 55 % aller Karten. Wir sind stolz darauf, dass wir mit unserem vielfältigen und ausdifferenzierten niveauvollen Kulturangebot zu einem überwiegenden Teil den kulturellen Bedarf der Frankfurter Bevölkerung decken. Und das höchst effizient: Nur 4,75 Mio. € bzw. 6,3 % der gesamten städtischen Mittel (75,8 Mio. €), die 2010 an alle freien Bühnen und Bühnen unter städtischer Trägerschaft flossen, wurden der Freien Theaterszene im Rahmen der institutionellen Förderung zur Verfügung gestellt.

Diese Leistungsbilanz zeigt in beeindruckender Weise, welche Rolle die Freie Theaterszene in Frankfurt spielt. Die vielen kleinen Privatbühnen schließen flexibel die Lücke zwischen dem Angebot der Bühnen unter städtischer Trägerschaft und den kulturellen Bedürfnissen der Bevölkerung, gleichgültig, welche Ästhetik gerade angesagt ist. Und diese Leistung wird unter nicht besonders rosigen finanziellen Rahmenbedingungen erbracht! Trotzdem neiden wir den städtischen Bühnen nicht, dass sie Hauptempfänger des Kulturetats der Stadt Frankfurt sind. Das ist den unterschiedlichen Produktionsbedingungen geschuldet. Wir sind vielmehr stolz darauf, dass alle städtisch getragenen Bühnen (Oper Frankfurt, Schauspiel Frankfurt, Alte Oper und Künstlerhaus Mousonturm) weit über die Stadtgrenzen hinaus glänzen. Reicht das nicht für das Image der Stadt Frankfurt? Wir glauben, dass die von den Gutachtern vorgeschlagene Neuausrichtung der Freien Szene die hohe Leistungsfähigkeit der Freien Szene in Frage stellt und es nicht wert ist, die Köpfe erfolgreicher Theaterleiter rollen zu lassen und Häuser zu schließen.

Ein zentraler Dissens zwischen uns und den Kommissionsmitgliedern ist ein völlig anderes Verständnis dessen, was eine Freie Theaterszene im Kern bedeutet. Wir verstehen diesen Begriff als jenen Kulturbereich, der die privatwirtschaftlich geführten Spielstätten umfasst, und nicht – wie die Gutachter – primär als Motor für künstlerische Innovationen in den darstellenden Künsten. Nach dem bedauerlichen Wegfall des TAT kommt aus unserer Sicht dem Mousonturm die Rolle eines innovativen Motors mit Leuchtturmfunktion zu, der zu diesem Zweck auch deutlich besser ausgestattet ist als die einzelnen privaten Theater.

Wir sehen das Gutachten als Auslöser einer Diskussion darüber, welche Kulturpolitik die Stadt Frankfurt in Zukunft betreiben will und welche institutionellen Konsequenzen daraus zu ziehen sind. Um deren Machbarkeit beurteilen zu können, ist nicht nur eine künstlerische Einschätzung der Freien Szene erforderlich, sondern auch eine Marktanalyse unter Berücksichtigung des demographischen Wandels sowie institutionelle und kaufmännische Fachkompetenz. Nur so erhält man Auskunft über den künftigen generationsübergreifenden Kulturbedarf der Bevölkerung, über das, was von der vorhandenen Infrastruktur auch weiterhin nutzbar wäre, was zusätzlich hinzukommen müsste, was das Ganze kosten würde und wie es finanziert werden könnte – sowie darüber, welche Rolle der Freien Theaterszene in Zukunft zufällt.

Die Art und Weise, wie das Gutachten durchgeführt wurde, entspricht nicht unseren Vorstellungen von Transparenz. Wir wurden nicht informiert, weder über die Aufgabenstellung der Untersuchung noch über die beteiligten Gutachter oder über ihren Besuch in unseren Häusern. In der Mehrzahl der Fälle wurde kein Gespräch mit den einzelnen Theaterleitern geführt. Sie konnten auch nicht Stellung nehmen zu dem Entwurf des Gutachtens, nicht um die Auffassung der Gutachter zu beeinflussen, sondern um sicherzustellen, dass keine Falschinformationen in die Schlussfolgerungen der Gutachter eingehen.

Unabhängigkeit, die für die jeweilige Aufgabenstellung erforderliche Fachkompetenz und die Transparenz des Verfahrens sind Voraussetzungen für ein Gutachten, das Anspruch auf Objektivität erheben kann. Im vorliegenden Fall sind die über das Künstlerische hinausgehende erforderliche Fachkompetenz und die Transparenz des Verfahrens nicht gegeben. Daraus folgt: Der Abschlussbericht der Perspektivkommission ist nicht objektiv - er trägt nicht allen zu berücksichtigenden Aspekten Rechnung, seine Datenbasis ist nicht offen - er ist somit nicht geeignet als Rechtfertigungsgrund für jedwede kulturpolitische Maßnahme. Wir fordern den Kulturdezernenten vielmehr auf, die Studie nicht als Evaluation, sondern als künstlerische Einschätzung der Freien Szene in Frankfurt durch die Gutachter zu nutzen und als Grundlage für eine offene und sorgfältige Diskussion über das Selbstverständnis der Freien Theaterszene und die künftige Kulturpolitik in Frankfurt. Wir erklären uns zugleich alle bereit, uns dieser Diskussion zu stellen und eine ehrliche und tatsächliche Evaluation der Freien Theaterszene in Frankfurt zu unterstützen.

Alle in der Theaterallianz vertretenen Bühnen stimmen darin überein, dass es die Vielfalt der künstlerischen Darstellungsformen ist, die eine bunte und erlebenswerte Kulturlandschaft ausmacht. Jede der Bühnen hat großes Interesse an einer lebendigen und erfolgreichen Freien Frankfurter Theaterszene, die sich mit privaten Spielstätten frei entwickeln kann und der Frankfurter Bevölkerung Lust auf Darstellende Kunst macht.

Vorstandsvorsitzender
Frankfurter Theaterallianz e.V.
Jan Mayer

Tel: 069 / 68 608 235
Vorstand (at) Theaterallianz.de

 

 Stellungnahme des Internationalen Theaters zum Abschlußbericht der Perspektivkommission

Die vom Kulturdezernenten der Stadt Frankfurt eingesetzten Gutachter beurteilen in ihrem Abschlussbericht das Internationale Theater Frankfurt wie folgt:

-    „ ... Überkommen und rückständig wirken dagegen Häuser wie das Internationale Theater ... mit ihren hochgelegenen Bühnen. ... (S. 17)

-    Grundsätzlich ist darüber nachzudenken, inwieweit ästhetisch eher fragwürdige und strukturell schlecht ausgestattete Häuser weiter institutionell gefördert werden sollen. Dies gilt insbesondere für Theater wie ... das Internationale Theater. ... (S. 33)
-    Frankfurt braucht zudem ein Haus, das nach neuen Modellen des Volkstheaters sucht, das auch junge Zuschauer ans Haus zu binden weiß, das Heimat, Volk und Sprache /Dialekt den interkulturellen Gegebenheiten der Stadt anpasst. Das Gleiche gilt für das Internationale Theater, das weder mit dem English Theater konkurrieren kann, noch berücksichtigt, dass Internationalität im zeitgenössischen Freien Theater sich heute völlig anders herstellt.“ (S. 33/34)

Wenn Sie dieses Urteil ebenso empört wie uns, dann schreiben Sie sich bitte in unsere Unterschriftenliste ein!

Hierzu nehmen wir wie folgt Stellung:

Den Gutachtern scheint entgangen zu sein, dass es gar nicht unsere Absicht ist, zeitgenössisches Theater nach Frankfurt zu holen. Wir sehen unsere Aufgabe vielmehr darin, mit ausländischen Künstlern authentisch Heimatkultur für ihre im Rhein-Main-Gebiet in großer Zahl lebenden Landsleute regelmäßig anzubieten und für die übrige interessierte Bevölkerung als kulturelles Schaufenster und als Stätte der lebenden Sprachvermittlung zu dienen. Textbezug und künstlerische Tradition sind hierbei unabdingbar. Auch haben die Gutachter nicht zur Kenntnis genommen, dass die hier ansässigen Ausländer unserer Arbeit sehr wohl schätzen, das Internationale Theater als eine Institution wahrnehmen.

In Anbetracht der Einzigartigkeit unseres Konzepts, eine Bühne der Ausländer zu sein, hätten wir erwartet, dass die Gutachter sich mit uns inhaltlich auseinander gesetzt und uns nicht über einen Kamm mit den übrigen deutschsprachigen Bühnen der Freien Theaterszene in Frankfurt geschoren hätten. Wir sind stolz darauf, dass wir jedes Jahr mit einem kleinen Mitarbeiterstab von 4 festangestellten Fachkräften und 2-3 Aushilfen ein anspruchsvolles und vielfältiges Programm von etwa 150 Veranstaltungen mit 100 Gastspielen und Künstlern aus etwa 25 Kulturen/ Sprachräumen in 6 künstlerischen Sparten (Schauspiel, Gesang, Konzerte, Tanz sowie non-verbale Performance und Film) ausrichten. Wir denken, dass Frankfurt als Stadtgemeinschaft ein derartiges Kulturangebot unseren vielen aus 170 Ländern stammenden ausländischen Mitbürgern schuldig ist. Denn wie heißt es so schön: „Dort wo einem die (kulturelle) Tür geöffnet wird, fühlt man sich zu Hause.“ Wir freuen uns jedenfalls, dass zumindest das Informationsamt der Stadt Frankfurt unsere integrative Rolle in der Frankfurter Gesellschaft in einem anderen Licht als die Gutachter sieht: ... ein Kulturzentrum mit wichtigen Funktionen, das aus der multikulturellen Metropole Frankfurt nicht wegzudenken ist.“

Auch ist es empörend, wenn die Gutachter die künstlerische Leistung unserer vielen ausländischen Gastkünstler und den Geschmack unseres Publikums als „ästhetisch fragwürdig“ abkanzeln.

Wir wissen ferner nicht, auf welcher Grundlage die Gutachter zu der Feststellung gelangen konnten, dass wir strukturell schlecht ausgestattet seien. Unseres Erachtens ist unser Theater für die vielfältigen Anforderungen technisch angemessen ausgestattet und weist eine hohe Flexibilität auf. Wir wissen nicht so richtig, was die Gutachter mit ihrer Aussage meinen. Mit uns haben sie nicht gesprochen. Mit wem wohl dann?
Unsere Künstler bedanken sich jedenfalls fast durchgängig für die gute technische Betreuung und sie schätzen die Atmosphäre und die Akustik unseres Theatersaals.

Auch erhält unser Programm viel Zuspruch von den Zuschauern. Ortskundige Fachkenner zählen uns darüber hinaus zu einer der bestgeführten Spielstätten. (Übrigens die einzige, die ihre unternehmerischen Kennzahlen seit Jahren veröffentlicht.) Das soll auch so bleiben, wenn der bei uns anstehende Generationenwechsel abgeschlossen ist!

Bei einer soliden Recherche wäre den Gutachtern aufgefallen, dass manche Aspekte, die sie zum Teil anderenorts in ihrem Gutachten als besonders wünschenswert herausgestellt haben, bei uns im Rahmen unserer Möglichkeiten verwirklicht werden:

-        Ensembles der Freien Szene haben schon immer die Möglichkeit, bei uns aufzutreten, sofern sich ihr Stück konzeptionell mit unserem Spielplan vereinbaren lässt. So steht im Herbst das Regina Busch Ensemble bereits zum dritten Mal mit dem Migrantenstück „Medea“ nach Euripides und Christa Wolf auf unserer Bühne und Anne Hasselberg inszenierte letztes Jahr das hochgelobte Stück „Verrücktes Blut“.

-        Das postmigrantische Theater ist für uns schon lange ein Thema. Einen Beitrag zu leisten zur Integration unserer ausländischen Mitbürger, wurde bereits 1998 in unserer Gründungssatzung in Absprache mit dem Kulturamt Frankfurt verankert. Das ist für uns nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern stete Maxime des täglichen Handelns - unser Programm soll ohne großes Aufheben mit Hilfe der Darstellung des künstlerischen Reichtums der vielen Kulturen unserer Welt, zu mehr Toleranz gegenüber dem Fremden beitragen und so dessen Integration in sein neues Umfeld erleichtern. Als Bühne der Ausländer ist es – im Gegensatz zu den deutschen Bühnen – bei uns eine Normalität, dass ausländische Künstler oder Künstler mit ausländischer Abstammung gleichberechtigt auf der Bühne stehen. Wir sind stolz, wenn wir deutsche Stücke wie „Verrücktes Blut“ (09/10.2011) oder „Heimat, bittersüße Heimat“ (12.2011) auf die Bühne bringen können, die Rassismus, Migration und Integration thematisieren.

-        Wir haben schon lange für Schüler und Jugendliche die Bühne geöffnet, um einen Beitrag zu deren persönlichen Entwicklung und Bildung zu leisten. Die Tanzschulen Höchster Ballettzentrum und Mika Yuasa treten jährlich mindestens einmal auf, gleiches gilt für die Schüler-und Jugendtheatergruppe der französischen Schule Lycée Français Victor Hugo und des Zentrums für russische Sprache und Kultur ISTOK. Dies gilt auch für ambitionierte fremdsprachige Amateurgruppen, z. Zt. der englischen und französischen Community (BoothWessel Company, derdiedascalies,  FEST und TLS Frankfurt)

-        Und zu guter Letzt: Die um 1 m erhöhte Bühne mit einem ebenerdigen Theatersaal ist nicht „altbacken“, sondern ein guter Kompromiss für unsere spezifische Situation. Sie gibt uns die Möglichkeit, Schauspiel und Tanz trotz des flachen Saalbodens für alle sichtbar anzubieten, den Theatersaal bei Bedarf als Raumbühne zu nutzen oder je nach Genre der Veranstaltung, die Reihenbestuhlung durch die beim Publikum sehr beliebten Bistrotische zu ergänzen oder zu ersetzen. Für eine Vermietung des Saals ist die Flexibilität bei der Saalbestuhlung ebenfalls von großer Bedeutung. Hierdurch können wir zusätzliche Mittel erwirtschaften, bei einem städtischen Zuschuss von nur etwa 30 % unseres Jahresbudgets ist dies zwingend erforderlich.

All dies hat keinen Eingang in die Studie gefunden. Wir bedauern, dass die Gutachter weder mit uns gesprochen, noch uns die Möglichkeit gegeben haben, zu ihrem (Vor)Urteil Stellung zu nehmen. Dann wären sie möglicherweise von selbst zu dem Schluss gekommen, dass wir nicht wirklich mit den deutschen Bühnen in einen Topf geworfen werden können. Wir sind gerne bereit, Verbesserungen umzusetzen, wenn sie für unser Tätigkeitsfeld sinnvoll sind. Dem ästhetischen Leitbild der Gutachter nachzueifern und zu einer experimentellen Bühne zu mutieren, beabsichtigen wir dagegen nicht. Dies würde weder unserem Satzungszweck entsprechen, noch unserem Publikum gerecht werden und unsere wirtschaftliche Kraft überfordern. Unter sonst gleichen Bedingungen müssten wir dann - in der Tat - schließen.

Wir jedenfalls haben dies nicht vor!

gez. Jan H. Mayer
Vorstand

die von Ihnen eingesetzten Gutachter beurteilen in ihrem Abschlussbericht das Internationale Theater Frankfurt wie folgt:

-    „ ... Überkommen und rückständig wirken dagegen Häuser wie das Internationale Theater ... mit ihren hochgelegenen Bühnen. ... (S. 17)

-    Grundsätzlich ist darüber nachzudenken, inwieweit ästhetisch eher fragwürdige und strukturell schlecht ausgestattete Häuser weiter institutionell gefördert werden sollen. Dies gilt insbesondere für Theater wie ... das Internationale Theater. ... (S. 33)

-    Frankfurt braucht zudem ein Haus, das nach neuen Modellen des Volkstheaters sucht, das auch junge Zuschauer ans Haus zu binden weiß, das Heimat, Volk und Sprache /Dialekt den interkulturellen Gegebenheiten der Stadt anpasst. Das Gleiche gilt für das Internationale Theater, das weder mit dem English Theater konkurrieren kann, noch berücksichtigt, dass Internationalität im zeitgenössischen Freien Theater sich heute völlig anders herstellt.“ (S. 33/34)

 

Hierzu nehmen wir wie folgt Stellung:

Den Gutachtern scheint entgangen zu sein, dass es gar nicht unsere Absicht ist, zeitgenössisches Theater nach Frankfurt zu holen. Wir sehen unsere Aufgabe vielmehr darin, mit ausländischen Künstlern authentisch Heimatkultur für ihre im Rhein-Main-Gebiet in großer Zahl lebenden Landsleute regelmäßig anzubieten und für die übrige interessierte Bevölkerung als kulturelles Schaufenster und als Stätte der lebenden Sprachvermittlung zu dienen. Textbezug und künstlerische Tradition sind hierbei unabdingbar. Auch haben die Gutachter nicht zur Kenntnis genommen, dass die hier ansässigen Ausländer unserer Arbeit sehr wohl schätzen, das Internationale Theater als eine Institution wahrnehmen.

In Anbetracht der Einzigartigkeit unseres Konzepts, eine Bühne der Ausländer zu sein, hätten wir erwartet, dass die Gutachter sich mit uns inhaltlich auseinander gesetzt und uns nicht über einen Kamm mit den übrigen deutschsprachigen Bühnen der Freien Theaterszene in Frankfurt geschoren hätten. Wir sind stolz darauf, dass wir jedes Jahr mit einem kleinen Mitarbeiterstab von 4 festangestellten Fachkräften und 2-3 Aushilfen ein anspruchsvolles und vielfältiges Programm von etwa 150 Veranstaltungen mit 100 Gastspielen und Künstlern aus etwa 25 Kulturen/ Sprachräumen in 6 künstlerischen Sparten (Schauspiel, Gesang, Konzerte, Tanz sowie non-verbale Performance und Film) ausrichten. Wir denken, dass Frankfurt als Stadtgemeinschaft ein derartiges Kulturangebot unseren vielen aus 170 Ländern stammenden ausländischen Mitbürgern schuldig ist. Denn wie heißt es so schön: „Dort wo einem die (kulturelle) Tür geöffnet wird, fühlt man sich zu Hause.“ Wir freuen uns jedenfalls, dass zumindest das Informationsamt der Stadt Frankfurt unsere integrative Rolle in der Frankfurter Gesellschaft in einem anderen Licht als die Gutachter sieht: ... ein Kulturzentrum mit wichtigen Funktionen, das aus der multikulturellen Metropole Frankfurt nicht wegzudenken ist.“

Auch ist es empörend, wenn die Gutachter die künstlerische Leistung unserer vielen ausländischen Gastkünstler und den Geschmack unseres Publikums als „ästhetisch fragwürdig“ abkanzeln.

Wir wissen ferner nicht, auf welcher Grundlage die Gutachter zu der Feststellung gelangen konnten, dass wir strukturell schlecht ausgestattet seien. Unseres Erachtens ist unser Theater für die vielfältigen Anforderungen technisch angemessen ausgestattet und weist eine hohe Flexibilität auf. Wir wissen nicht so richtig, was die Gutachter mit ihrer Aussage meinen. Mit uns haben sie nicht gesprochen. Mit wem wohl dann?
Unsere Künstler bedanken sich jedenfalls fast durchgängig für die gute technische Betreuung und sie schätzen die Atmosphäre und die Akustik unseres Theatersaals.

Auch erhält unser Programm viel Zuspruch von den Zuschauern. Ortskundige Fachkenner zählen uns darüber hinaus zu einer der bestgeführten Spielstätten. (Übrigens die einzige, die ihre unternehmerischen Kennzahlen seit Jahren veröffentlicht.) Das soll auch so bleiben, wenn der bei uns anstehende Generationenwechsel abgeschlossen ist!

Bei einer soliden Recherche wäre den Gutachtern aufgefallen, dass manche Aspekte, die sie zum Teil anderenorts in ihrem Gutachten als besonders wünschenswert herausgestellt haben, bei uns im Rahmen unserer Möglichkeiten verwirklicht werden:

-        Ensembles der Freien Szene haben schon immer die Möglichkeit, bei uns aufzutreten, sofern sich ihr Stück konzeptionell mit unserem Spielplan vereinbaren lässt. So steht im Herbst das Regina Busch Ensemble bereits zum dritten Mal mit dem Migrantenstück „Medea“  nach Euripides und Christa Wolf auf unserer Bühne und Anne Hasselberg inszenierte letztes Jahr das hochgelobte Stück „Verrücktes Blut“.

-        Das postmigrantische Theater ist für uns schon lange ein Thema. Einen Beitrag zu leisten zur Integration unserer ausländischen Mitbürger, wurde bereits 1998 in unserer Gründungssatzung in Absprache mit Ihrem Haus verankert. Das ist für uns nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern stete Maxime des täglichen Handelns - unser Programm soll ohne großes Aufheben mit Hilfe der Darstellung des künstlerischen Reichtums der vielen Kulturen unserer Welt, zu mehr Toleranz gegenüber dem Fremden beitragen und so dessen Integration in sein neues Umfeld erleichtern. Als Bühne der Ausländer ist es – im Gegensatz zu den deutschen Bühnen – bei uns eine Normalität, dass ausländische Künstler oder Künstler mit ausländischer Abstammung gleichberechtigt auf der Bühne stehen. Wir sind stolz, wenn wir deutsche Stücke wie „Verrücktes Blut“ (09/10.2011) oder „Heimat, bittersüße Heimat“ (12.2011) auf die Bühne bringen können, die Rassismus, Migration und Integration thematisieren.

-        Wir haben schon lange für Schüler und Jugendliche die Bühne geöffnet, um einen Beitrag zu deren persönlichen Entwicklung und Bildung zu leisten. Die Tanzschulen Höchster Ballettzentrum und Mika Yuasa treten jährlich mindestens einmal auf, gleiches gilt für die Schüler-und Jugendtheatergruppe der französischen Schule Lycée Français Victor Hugo und des Zentrums für russische Sprache und Kultur ISTOK. Gleiches gilt für ambitionierte Amateurgruppen, z. Zt. der englischen und französischen Community (BoothWessel Company, TLS Frankfurt, FEST und derdiedascalies).

-        Und zu guter Letzt: Die um 1 m erhöhte Bühne mit einem ebenerdigen Theatersaal ist nicht „altbacken“, sondern ein guter Kompromiss für unsere spezifische Situation. Sie gibt uns die Möglichkeit, Schauspiel und Tanz für alle sichtbar anzubieten, den Theatersaal bei Bedarf als Raumbühne zu nutzen oder je nach Genre der Veranstaltung, die Reihenbestuhlung durch die beim Publikum sehr beliebten Bistrotische zu ergänzen oder zu ersetzen. Für eine Vermietung des Saals ist die Flexibilität bei der Saalbestuhlung ebenfalls von großer Bedeutung. Hierdurch können wir zusätzliche Mittel erwirtschaften, bei einem städtischen Zuschuss von nur etwa 30 % unseres Jahresbudgets ist dies zwingend erforderlich.

All dies hat keinen Eingang in die Studie gefunden. Wir bedauern, dass die Gutachter weder mit uns gesprochen, noch uns die Möglichkeit gegeben haben, zu ihrem (Vor)Urteil Stellung zu nehmen. Dann wären sie möglicherweise von selbst zu dem Schluss gekommen, dass wir nicht wirklich mit den deutschen Bühnen in einen Topf geworfen werden können. Wir sind gerne bereit, Verbesserungen umzusetzen, wenn sie für unser Tätigkeitsfeld sinnvoll sind. Dem ästhetischen Leitbild der Gutachter nachzueifern und zu einer experimentellen Bühne zu mutieren, beabsichtigen wir dagegen nicht. Dies würde weder unserem Satzungszweck entsprechen, noch unserem Publikum gerecht werden und unsere wirtschaftliche Kraft überfordern. Unter sonst gleichen Bedingungen müssten wir dann - in der Tat - schließen.